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Ausgabe: 7. Jg. / Heft 2 (Oktober 2000)

Cover von Studium Integrale Journal 7. Jg. / Heft 2 Oktober 2000
Titelbild: Früchte als Federschweifflieger bei der Berg-Nelkenwurz (Geum montanum) - eines unter unzähligen Beispielen sehr verschieden gestalteter Früchte bei den Angiospermen (bedecktsamige Blütenpflanzen). Deren Kennzeichen ist der Einschluß der Samen in einer Fruchtknotenwand, bei der hier abgebildeten Nelkenwurzfrucht am unteren Ende der Federschweife.





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Editorial

Die Auseinandersetzung um die Ursprungsfrage, aber auch um andere Wissenschaftsthemen wird nicht nur anhand von Daten und ihren Deutungsmöglichkeiten geführt, sondern auch durch die Verwendung bestimmter Begriffe. So wird eine inhaltliche Diskussion nicht selten dadurch schon im Vorfeld beendet, daß einer (oder mehrere) der Theoriekonkurrenten mit dem Begriff "Pseudowissenschaft" belegt wird. Dieser Begriff wird in den kritischen Auseinandersetzungen mit der Evolutionstheorie oft bemüht, insbesondere wenn Alternativen ins Spiel gebracht werden, die von einem Schöpfungsgedanken inspiriert sind.

Michael Kämpfer stellt in der Fortsetzung des in der letzten Ausgabe von Studium Integrale journal begonnenen Artikels Versuche der Abgrenzung dar und kommt zum Schluß, daß Wissenschaft und Pseudowissenschaft gar nicht in einer eindeutig faßbaren Weise voneinander abgrenzbar sind - ein Ergebnis, das vorschnelles Abqualifizieren ungewohnter Theorien verhindern sollte.

Grundlegende Fragen des Erkennens und der Erkenntnismöglichkeiten stellen sich auch angesichts der Vielfalt der Lebewesen, die mindestens aus praktischen Gründen in eine Ordnung gebracht werden muß. Ist aber Ordnung in der Natur objektiv vorgegeben, sei es durch einen Evolutionsablauf oder durch ein Wirken eines Schöpfers, um vom forschenden Menschen einfach nachgezeichnet zu werden? Torsten Rossmann stellt sich aus der Praxis als paläontologisch arbeitender Biologe dieser Frage. Er vertritt die These und stellt sie hiermit zur Diskussion, daß die Taxonomie, Systematik und ihre phylogenetischen Schlußfolgerungen vom Standpunkt und den Definitionen des Bearbeiters abhängen. Daraus folgt für ihn ein "biologisches Unschärfeprinzip", was aus der Unfähigkeit des Naturforschers resultiert, die Natur objektiv wahrzunehmen und zu beschreiben, da er selbst als Teil der Natur Einfluß auf sie ausübt. Dies hat enorme Folgen für das Verhältnis von "objektiven Daten" und den mit ihnen in Bezug stehenden Ursprungsvorstellungen, denn Vorüberlegungen des Forschers oder der Forschergemeinschaft haben demnach ein großes Gewicht.

Daß dieser Zusammenhang - Daten und Ursprungsvorstellungen - durchaus locker und mehrdeutig sein kann, wird auch durch die Beiträge von Judith Fehrer und Klaus Neuhaus deutlich. Beide berichten von neueren Entwicklungen der Evolutionstheorie. Unerwartete Befunde führen dazu, daß die Evolutionstheorie sich wandelt. Ist dies ein Ausdruck ihrer Erklärungskraft? Oder zeigt sich hier eine Fixierung auf einen harten Kern des Theoriengebäudes, der Ausdruck von Vorentscheidungen ist und auch anders gewählt werden könnte?

Um ein berühmtes paläontologisches "Geheimnis" geht es im Beitrag von Herfried Kutzelnigg über den Ursprung der Angiospermen, also der bedecktsamigen Blütenpflanzen, die heute einen Großteil der Vegetation ausmachen. Charles Darwin nannte dieses Geheimnis "abscheulich", weil das plötzliche Erscheinen von Angiospermen in der Fossilüberlieferung durchaus nicht in seine Theorie paßte. (Wir begegnen hier erneut der oben angesprochenen Frage der Passung von Daten und Ursprungsvorstellungen.) Trotz vieler mittlerweile entdeckter Angiospermenfossilien sind die wesentlichen Fragen zur Entstehung dieser größten Pflanzengruppe auch heute unbeantwortet.

Neues gibt es vom Neandertaler. DNA-Analysen, die in letzter Zeit durchgeführt wurden, scheinen eine deutliche Trennung des Neandertalers vom heutigen Menschen nahezulegen. Andererseits wurde kürzlich ein Fossil gefunden, dessen Merkmalskombination dafür spricht, daß es sich um einen Hybriden zwischen einem Neandertaler und einem anatomisch modernen Menschen handelt. Damit wären diese beiden Menschenformen im wahrsten Sinne des Wortes doch recht eng verbunden gewesen. Sigrid Hartwig-Scherer diskutiert in ihrem Beitrag eine mögliche Deutung der Befunde im Rahmen der Grundtypenbiologie.

In einem archäologischen Beitrag befassen sich Peter van der Veen und Uwe Zerbst mit dem im 1. Buch Mose des Alten Testaments geschilderten großen Herrscher Nimrod. Sie zeigen, daß es erstaunliche Ähnlichkeiten zu einer Reihe außerbiblischer, altorientalischer Überlieferungen gibt und stellen die These auf, daß Nimrod ein wirklicher Mensch war, der in der antiken Mythologie - anders als in der Bibel - postum zum Gott erhoben wurde.

Für eine vielseitige und abwechslungsreiche Lektüre ist also gesorgt. Haben Sie kritische Anmerkungen, Impulse? Über Rückmeldungen freut sich
Ihre Redaktion Studium Integrale Journal



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Letzte Änderung: 08.07.2009
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